Müdigkeit ist keine Schwäche – wie Führung Veränderung möglich macht

Shownotes

Über unseren Gast:

ℹ️ Melanie Baum ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Baum Zerspanungstechnik GmbH, einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen mit rund 50 Mitarbeitenden. Sie hat das Unternehmen 2016 von ihrem Vater übernommen – formal im März, emotional wenige Monate später, als er unerwartet an Krebs verstarb. Melanie kommt aus der Geisteswissenschaft, hat BWL studiert und bringt in ein technisches Produktionsumfeld das mit, was viele Mittelständler nicht haben: Blick auf Strategie, Struktur, Marketing, Personalentwicklung. Sie führt allein, ist zweifache Mutter und überzeugt: Veränderung ist kein Ausnahmezustand, sondern Teil der Kultur.

Über Baum Zerspanungstechnik: 🏭 Technisches Produktionsunternehmen mit rund 50 Mitarbeitenden 🏭 Produktion hochanspruchsvoller Produkte für die Industrie auf ca. 4.000 Quadratmetern 🏭 Kunden in Deutschland und weltweit 🏭 Melanie Baum führt das Unternehmen seit 2016 allein verantwortlich

Kernthemen der Folge:

➡️ Unsicherheit als Grundgefühl: Warum Mitarbeitende und Unternehmer heute stärker mit Veränderungsdruck, Informationsflut und dem Gefühl kämpfen, dass es nicht besser wird ➡️ Veränderungsbereitschaft vs. Stammhirn: Warum unser Gehirn Veränderung als Bedrohung interpretiert – und wie Führungskräfte damit umgehen können ➡️ Struktur und Qualifizierung als Sicherheitsgeber: In 98 % der Fälle scheitert Veränderung nicht an der Haltung, sondern an fehlenden Prozessen oder fehlendem Wissen ➡️ Kommunikation in der Umsetzung: Die Vision zu verkünden ist leicht – die Veränderung in der Praxis zu begleiten, ist die eigentliche Führungsaufgabe ➡️ Warum "Aussitzen" keine Option ist: Geschäftsmodelle, die keinen Nutzen mehr bieten oder ihn nicht kommunizieren, sind nicht marktfähig – egal, wie lange man wartet ➡️ Sichtbarkeit als Vertrauensvorschuss: Warum Melanie trotz anfänglicher Widerstände auf LinkedIn sichtbar wurde – und was das für ihr Geschäft verändert hat ➡️ Die Rolle externer Begleitung: Von Coaching über Psychologie bis Strategieberatung – warum Melanie durchgängig mit externen Impulsen arbeitet ➡️ Was Melanie durch den Tod ihres Vaters gelernt hat: Klarheit über das eigene Warum, Prioritäten setzen und Balance nicht als Work-Life-Kompromiss, sondern als innere Stärke

Key Takeaways:

✓ Müdigkeit darf sein – Aussitzen nicht Melanie hört von vielen Unternehmern: "Wann wird es endlich besser?" Ihre Antwort: Plan damit, dass es nicht besser wird. Unternehmer sein heißt, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Insolvenzen passieren selten, weil es keine Möglichkeiten mehr gab – sondern weil Menschen nicht mehr können oder wollen.

✓ Veränderung scheitert selten an Haltung, fast immer an Struktur Wenn Mitarbeitende eine Veränderung nicht mittragen, liegt es in 98 % der Fälle nicht daran, dass sie nicht wollen. Es fehlt Struktur, Qualifizierung oder Klarheit. Nur 2 % sind echte Haltungsprobleme. Führung muss das unterscheiden können.

✓ Die Vision verkünden ist leicht – die Umsetzung begleiten ist hart Sich vor die Belegschaft zu stellen und die Strategie zu erklären, ist der einfache Teil. Der schwere: In der Umsetzung präsent sein, nachfragen, warum es noch nicht klappt, und individuell nachsteuern. Das ist echte Kommunikationskompetenz.

✓ Sichtbarkeit schafft Vertrauen, bevor das Gespräch beginnt Menschen recherchieren heute drei, vier, fünf Jahre, bevor sie Kontakt aufnehmen. Wer vorher von den Menschen im Unternehmen etwas gesehen hat, hat einen Vertrauensvorsprung. Melanie war anfangs skeptisch – heute organisiert sie den LinkedIn-Posteingang nicht mehr alleine.

✓ Extern begleiten lassen ist kein Luxus, sondern Grundrauschen Melanie arbeitet durchgängig mit externen Beratern: Coaching, Psychologie, Strategie, Finanzen, HR. Nicht, um Sorgen loszuwerden – dafür hat sie Freunde. Sondern, um blinde Flecken zu sehen und sich selbst weiterzuentwickeln. Wer alleine in der Geschäftsführung sitzt, braucht das umso mehr.

✓ Prioritäten setzen ist keine Option, sondern Pflicht Wer Unternehmertum, Mutterschaft, Partnerschaft und private Hobbys kombinieren will, kann das nicht ohne klare Prioritäten. Das heißt auch: Nein sagen. Und akzeptieren, dass Dinge nicht so laufen, wie man sich das ursprünglich vorgestellt hat.

Melanie Baums drei Tipps für festgefahrene Unternehmer:

1️⃣ Kläre dein Warum – worum geht's, was sind deine Ziele 2️⃣ Lass dich extern begleiten – gerade wenn du feststeckst, sind Impulse von außen wertvoll 3️⃣ Gib nicht auf – wenn dir die Scheiße bis zum Hals steht, lass den Kopf nicht hängen, das schmeckt nicht

Weiterführende Links:

🔗 Irene Knaub auf LinkedIn 🔗 Markus Lievenbrück auf LinkedIn 🔗 Melanie Baum auf LinkedIn 🔗 Baum Zerspanungstechnik Website 🔗 °F auf LinkedIn

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Über Kraftraum Mittelstand: "Kraftraum Mittelstand" ist der energiegeladene Podcast für Unternehmer, Macher und Entscheider im deutschen Mittelstand, präsentiert von der digitalen Marken- und Werbeagentur °F. Die °F-Geschäftsführung und Hosts Irene Knaub und Markus Lievenbrück teilen ihr 20-jähriges Expertenwissen zur Markenführung und sprechen mit Fachleuten über die Herausforderungen mittelständischer Unternehmen. Der Podcast liefert keine komplizierten Theorien, sondern praktische Strategien für eine kraftvolle Markenpositionierung.

Über °F: Das Kölner Unternehmen °F ist der Spezialist für kraftvolle Markenführung im deutschen Mittelstand. Seit 2005 entwickelt °F Markenidentitäten, die nach innen Orientierung geben und nach außen überzeugen. Mit systematischer Strategie schärft °F Marken und setzt sie mit packender Kreativität um – vom Corporate Design über digitales Marketing bis zur Mitarbeitergewinnung. Familienunternehmer und Entscheider im Mittelstand vertrauen auf die Expertise der Agentur für nachhaltiges Wachstum. °F macht Marken zukunftsfähig – mit klaren Botschaften, die treffen, und Design, das im Kopf bleibt.


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Über diese Podcast-Produktion: Der Podcast "Kraftraum Mittelstand" ist eine TON.EINS Produktion.

Transkript anzeigen

Irene Knaub: Irene Knaub Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Kraftraum Mittelstand, dem Podcast für alle, die richtig Lust haben, Mittelstand etwas zu bewegen und dabei nicht müde werden. Ich bin Irene Knaub.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück Und ich bin Markus Lievenbrück. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Apropos müde. Heute sprechen wir über ein Gefühl, was viele Unternehmerinnen und Unternehmer haben, sehr, sehr ungern darüber sprechen. Müdigkeit. Und dabei geht es nicht die Müdigkeit nach einer zu kurzen Nacht, sondern diese Müdigkeit auf Basis von den ganzen Veränderungen, den Krisen, die wir gerade haben und den ganzen Anforderungen und den permanenten Strom an Informationen und Erwartungen, die an Unternehmer und Unternehmerinnen heutzutage gestellt werden.

Irene Knaub: Irene Knaub Absolut, also die Liste ist ja wirklich unfassbar lang. Digitalisieren, Mitarbeitende mitnehmen, Märkte entwickeln, sichtbarer werden, das Geschäftsmodell verändern und gleichzeitig soll auch noch die Produktion in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben. Ja, also da bleibt die Frage, wie man als Unternehmerinnen und Unternehmer dabei handlungsfähig bleibt, wenn das Veränderungstempo eigentlich größer ist als die eigene Energie.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück Genau und darüber sprechen wir heute mit Melanie Baum. Sie ist Unternehmerin, Nachfolgerin, alleinige Geschäftsführung eines technischen Produktionsunternehmens und Mutter. Sie steht für eine klare Haltung. Krisen müssen nicht ausgehalten werden, sondern sie sind ein großartiger Anlass, ein Unternehmen positiv weiterzuentwickeln. Herzlich willkommen im Kraftraum Mittelstand, liebe Melanie.

Melanie Baum: Melanie Baum Hallo, ich freue mich, hier zu sein.

Irene Knaub: Irene Knaub Liebe Melanie, schön, dass du heute da bist und auch den weiten Weg aus Mahl zu uns nach Köln-Hürth auf dich genommen hast. Wir steigen am besten so ein, du hast 60 Sekunden. Was sollten denn unsere Zuhörerinnen und Zuhörer am besten oder in den 60 Sekunden über dich erfahren?

Melanie Baum: Melanie Baum Ich stehe ja hier auch als Unternehmerin für mein Unternehmen, deswegen will ich das vielleicht einmal einordnen. Ich bin Inhaberin und Geschäftsführerin eines mittelständischen Maschinenbauunternehmens. Wir produzieren also bei uns, auf etwa 4000 Quadratmetern fliegen sozusagen die Späne, damit wir hoch anspruchsvolle Produkte für die Industrie hier in Deutschland, aber auch weltweit herstellen können. Das mache ich mit einem Team aus etwa 50 Mitarbeitenden und das auch schon seit über zehn Jahren allein verantwortlich. Das macht mir ganz viel Spaß und ich glaube, darüber reden wir heute ein bisschen eben über das Wohl und Wehe dieser Situation.

Irene Knaub: Irene Knaub Ja absolut, deine Rollen, die du ja auch gerade beschrieben hast. Du bist Nachfolgerin, du bist alleinige Geschäftsführerin, du bist Mama, relativ frisch,

Melanie Baum: Melanie Baum Zweite Mal frisch,

Irene Knaub: Irene Knaub geborenes Kind genau und bist eine Unternehmerin in einem sehr technischen Branche unterwegs. Was mich jetzt zu Beginn interessieren würde, was hat denn dein Blick auf Führung und vor allem Verantwortung am stärksten geprägt?

Melanie Baum: Melanie Baum ganz klar meine beiden Zyklen, in denen ich Mama wurde. Ich sage mal so bisschen flapsig, eigentlich würde ich jedem Unternehmer wünschen, auch ein Kind zu kriegen, weil das so ein Booster ist, das Unternehmen so aufzustellen, dass es eben ohne einen funktioniert und gleichzeitig auch zu Hause so Strukturen zu schaffen, dass man sich rausziehen kann. Und beides ist einfach total wertvoll. Und ich weiß, das ist ja immer dieses, du hast gerade über Müdigkeit gesprochen, das ist halt so oft sagt man ja auch, lernen oder entwickeln uns aus Schmerz, da muss eben ein Pain da sein, dass man in den nächsten Step kommt. Und ich fand jetzt, Schwangerschaften sind jetzt nicht im klassischen Sinne ein Pain, sondern eigentlich eine wunderschöne Gelegenheit. Für mich war wichtig, Zeit mit den Kindern zu gewinnen. Nicht nur Flexibilität, sondern auch wirklich Quantität mit denen zu haben. ja, dafür durfte ich mein Unternehmen zweimal sehr stark weiterentwickeln, damit das dann so möglich ist.

Irene Knaub: Irene Knaub Beispiel.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück Ja, und ich glaube gerade in der Zeit ist ja das Thema Müdigkeit in einer anderen Form ja auch noch mitgegeben. Im Vorgespräch haben wir aber auch über das Thema gesprochen, dieser Müdigkeit, aber auch insbesondere über ein Thema, was wir als Oberbegriff in unserem Vorgespräch waren, das war Unsicherheit. Und was würdest du denn sagen, was heute aus deiner Perspektive, wenn du auf dein Unternehmen guckst, auf die Mitarbeiter, guckt aber auch auf die Gesamtlage, was die heutige Unsicherheit

Melanie Baum: Melanie Baum Ja, also erstmal ist das immer alles relativ und ich glaube, das können wir jetzt auch gar nicht so richtig beantworten. War es immer irgendwie gleich schlimm, nur anders oder ist es schlimmer? Wenn ich aber auf die aktuelle Situation gucke, auf mein Umfeld privat wie auch beruflich, meine Mitarbeitenden, dann ist dieser Begriff Sicherheit oder auch Unsicherheit eben, der deutlich mehr Wert bekommen noch mal in den letzten Jahren. Ich würde sagen, nicht nur, dass wir eine Pandemie hinter uns hatten, die eben ganz, ganz stark ja auch auf das Thema Sicherheit oder Unsicherheit eingezahlt hat. sondern auch dann eben die globalen Entwicklungen, die es rechts und links überall gab, bis hin zu, ja, wie zahle ich meine Miete, wie kriege ich noch einen Urlaub dieses Jahr hin, können wir uns noch zwei Autos leisten. Das sind ja die Themen, die alle ganz konkret oder eben viele von uns sehr konkret gespürt haben an Veränderungen. Und das führt sicherlich nicht zu mehr Sicherheit, wenn ich mich grundsätzlich damit beschäftigen muss, wie ich meinen Lebensstandard irgendwie halten kann, wenn es nicht mehr darum geht, so wie vielleicht noch vor fünf oder zehn Jahren. in die Entwicklung, in den Aufbau zu gehen, sondern wir sind alle sehr so in dem State von, naja, Hauptsache es wird nicht schlimmer. Damit einhergehend nehme ich schon sehr, sehr viel Unsicherheit wahr und meine Erfahrung ist einfach, das immer wieder auf den Tisch zu bringen, da offen drüber zu sprechen, so ein bisschen dieses, let's face it, sage ich auch immer, immer mit Unternehmen. Also das ist okay, dass das so ist. Das ist erstmal nichts, was wir jetzt hier wegreden müssen oder so tun müssten, als wäre das nicht da. Und ich glaube, das hattest du gerade auch schon im Einspieler gesagt. Es kommt halt nicht nur diese Unsicherheiten im Außen, sondern auch dieses krasse Tempo an Informationen, Kommunikation. Da würde ich sehr fest behaupten, dass wir das vor 10, 15 Jahren in dieser Dimension noch nicht hatten und vor 20, 30 Jahren nochmal ganz anders. Und das beschäftigt unser Gehirn. Damit sind wir schlichtweg sehr, sehr viel beschäftigt. Und wenn wir uns so ein volles Glas vorstellen, dann ist halt ein großer Anteil davon, bubbelt so vor sich hin den ganzen Tag, diese ganzen Informationen aufzunehmen und irgendwie auch weiterzugeben. Und wie viel bleibt dann noch an Energie, sozusagen mit dem Rest der Herausforderungen, die wir alle mehr oder weniger haben, umzugehen? glaube, diese Kombination ist so in dieser Zeit vielleicht sehr speziell.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück was ich gerne mit reinspielen würde, weil mir der Begriff gerade eingefallen ist. Und das ist das Thema dieser psychologischen Sicherheit, was in der Zeit ein bisschen mehr gegeben war. Und heutzutage genau diese Kombi kommt aus zu vielen Informationen, die einem Energie rauben. Und dann kommt hinzu, dass wir in einer Situation sind, wo diese psychologische Sicherheit auch bisschen verloren gegangen ist. Ob man jetzt nach in die Politik guckt oder wo man auch hinguckt. Das Vertrauen geht so bisschen weg und man hat die Perspektive. Geht es mir in fünf, sechs, sieben Jahren tatsächlich besser als heute oder vielleicht sogar schlechter? Und das hat natürlich auch viel mit diesem Thema psychologischer Sicherheitsdruck.

Melanie Baum: Melanie Baum Ja, also wenn wir jetzt einen auf Buddha einmal kurz machen und die Perspektive einnehmen, dann dürfen wir gerade alle total dankbar sein, dass uns dieser Schmerz wieder fährt, damit wir lernen, wo Halt zu finden und wo Sicherheit zu finden. Die Antwort kennen jetzt alle aus dem Kalender. Das ist in uns, genau. Also irgendwie, wenn man das so sehr aus der Helikopterperspektive betrachtet, ist das auch eine sehr spannende Zeit, wo ich auch genau das beobachte. Es gibt klare Trends hinzu. mehr Rituale, mehr Stichwort Glaube, Routinen. Das sind dann alles so Dinge, die kriegen auf einmal wieder mehr Bedeutung, die vielleicht vor vielen Jahrzehnten noch normal waren im Alltagsleben und auch im beruflichen Leben. Und das finde ich erstmal eine Bereicherung und auch wieder ganz spannend, dass es diese Entwicklung da gibt. Aber ja, rein psychologisch oder ich persönlich, ich liebe die Neurowissenschaften, ich gucke da immer gerne so aus der Richtung drauf, ist Veränderung einfach ein Brett für unser Gehirn. Und das ist dieses klassische Bild von wie lange geht es denn noch so wie es ist, weil irgendwie geht es ja noch. Jeder hat so seine eigenen Themen. Ich würde zum Beispiel auch sagen, ich bin ein sehr veränderungsbereiter und offener und fähiger Mensch. Aber ich habe genauso meine eingefahrenen Themen und festsitzenden Glaubenssätze und blinden Flecken, wo es bei mir sehr schwer ist sozusagen, da in die Veränderung zu gehen. Und das hat jeder von uns. Und ich glaube auch da wieder ganz wichtig, sich dem erstmal überhaupt bewusst zu sein. Ganz normal wieder dürfen wir annehmen, dass dieser Widerstand da ist. Und als Führungskraft jetzt in meinem Unternehmen mal die Brücke zu schlagen, finde ich das deshalb so unglaublich wichtig, Veränderungen eben auch als Teil der Kultur zu begreifen. Und da gehört ganz, ganz viel zu. Das ist nicht nur, wie leben wir es miteinander, wie leben wir es vor, welche Kommunikationsregeln oder Verhaltensspielregeln haben wir miteinander, welche Werte sind hier wichtig, wie stellen wir uns auch diesen ganzen Veränderungen, die eben da sind. Das ist schon spannend. Also wenn ich jetzt zum Beispiel investiere in neue Technologie, in Zukunftstechnologie oder auch eben jetzt Einführung von verschiedenen KI-Dingen, das wird schon grundsätzlich positiv aufgenommen, weil die Menschen sehen, das ist Innovation, das ist Fortschritt, ne, der Industrie geht es im Moment nicht besonders prächtig. Da dürstet man sozusagen nach jedem Schritt nach vorne und nach jeder Zukunftsvision. Dann ist es halt immer spannend, wieder diese Brücke zu, jetzt wollen wir es umsetzen und anwenden. Und dann, ja, tritt diese Teilstammhier halt einfach sehr, sehr stark in Erscheinung. Und sagt, na, musst du vielleicht nicht unbedingt jetzt schon umsetzen, guck erstmal nochmal, ob einer was sagt oder welche Konsequenz das für dich hat, wenn du es nicht so machst. Genau, und da glaube ich, dürfen wir Führungskräfte, müssen wir Führungskräfte immer einen Schritt weit voraus sein, die Mitarbeitenden dann auch mitzunehmen. Also wir müssen uns dieser Thematik sehr bewusst sein und irgendwie für uns auch Wege finden, wie wir unser Stammhirn da so ein bisschen, ich will nicht sagen austricksen, aber managen.

Irene Knaub: Irene Knaub Klingt das so einfach und so logisch? Das ist ja auch total richtig. Hast du da so ganz konkretes Beispiel, was du mitgeben kannst? Wie geht man damit Wie schafft man das? Auch die Mitarbeitenden diese Sicherheit zu geben, das hat ja auch was mit Kommunikation zu tun. Du hast ganz viele Dinge gerade genannt. Hast du so ein handfestes Beispiel?

Melanie Baum: Melanie Baum Ja, ich hätte nicht gedacht, dass wir da landen, aber ich bin jetzt wieder bei Buddha. Das war nicht der Plan, aber im Kern, wie ich das so schaffe, wirklich das Thema, zum einen kenne ich ganz klar mein Warum. Also bei mir geht es eigentlich im Alltag nur Wie. Weil ich mein Warum klar habe. Ich weiß, wofür ich morgens aufstehe, ich weiß, warum ich Unternehmerin bin, ich weiß, warum ich Mutter bin. Und das ist schon mal fast die halbe Miete. Also diese eigene Klarheit darüber zu haben, was will ich eigentlich mit diesem Leben anfangen? Wofür verwende ich meine 24 Stunden heute, morgen, nächste Woche. Da habe ich auch das große Glück, mein Vater hat mich mit 14 Jahren das erste Mal zu so einem Persönlichkeitsentwicklungsseminar mitgeschleppt, wo ich noch gedacht habe, ach du Schreck. Da wurde viel mit Hypnose gearbeitet und Meditation. Das war ein ganzheitlicher Business-Blick. auch auf Persönlichkeit. ja, das war schon eine krasse Welt erst mal, als die ganzen alten Herren mich herum da gependelt sind in diesem Raum mit Augen zu. hab gedacht, Hilfe. Wird sich spannend. Aber genau. Was ich eigentlich sagen wollte, war im Endeffekt, war wie so eine Saat in mir, die er da gesetzt hat. Und dadurch habe ich mich früh intensiv damit beschäftigt, warum bin ich eigentlich hier und womit will ich so meinen Tag und mein Leben verbringen. Als mein Vater dann recht kurzfristig verstorben ist 2016 und ich dann das einfach auch mal so die Auseinandersetzung mit dem Tod, wenn einer der Ersten war der engste Mensch in meinem Leben, wenn so jemand dann geht. Das geht auch wieder sehr deep und dabei war das eigentlich nur noch mal mehr bestätigt. Also dieses, wie schnell kann Leben auch vorbei sein? Mit 62 ist er gegangen, das war kein Alter. Und noch mal viel, viel bewusster dessen, es kann so schnell eben ein Ende da sein. Wie möchte ich mein Leben noch anpassend verändern, dass es wirklich ja immer mehr in Fülle auch gelebt werden kann, nach meinen Vorstellungen. Das ist ja sehr subjektiv. Ja neben dem klaren Warum ist für mich dann ganz wichtig, das ist schon eine Kompetenz, die man lernen kann, das Prioritäten setzen. Die orientieren sich ja auch am Warum. Aber das stimmt. Muss sein. Also ich sage jetzt mal jemand wie ich, und davon gibt es ja einige, die zum Beispiel Mutterschaft und Unternehmertum kombinieren und dann noch so reich sind und auch noch private Hobbys haben wollen oder irgendwie auch mal Partnerschaft leben wollen. Also das hört ja nicht auf bei Mutter sein, Unternehmerin sein. Also das geht gar nicht ohne. Das ist nicht machbar, wenn man nicht lernt, Prioritäten zu setzen. Und das heißt auch Nein zu sagen. Und das heißt auch, dass Dinge nicht so laufen, wie man sich das ursprünglich mal vorgestellt hat. Also das gehört eben alles damit rein. so als letzter Punkt vielleicht neben Warum, Prioritäten ist bei mir noch ganz stark und das ist gerade auch noch mal in den letzten Jahren so, also ich würde fast sagen in meinen 40ern, vielleicht hat sich da auch noch mal was verändert in der biologischen Uhr. Aktuell meinst Ja genau, ganz frisch ist einfach noch mal dieses Thema Balance auch gekommen. Und damit meine ich nicht nur dieses klassische Work-Life-Balance, sondern einfach nochmal für mich persönlich, was heißt das? Welche Kräfte, Energien und Schwerpunkte sind in meinem Leben so da? Und an welchen Stellen meine ich immer wieder, das übergehen zu können oder nicht richtig hingucken zu müssen? Und das war für mich persönlich auch nochmal total wichtig, einfach so eine innere Stärke, Resilienz auch zu gewinnen für all den Wahnsinn, da ist bei uns allen und jeden Tag.

Irene Knaub: Irene Knaub beim Thema müde werden. Dürfte ich aber da nochmal ganz kurz einhaken, weil du das ja auch gerade sehr persönlich beschreibst. Dein Papa ist ja dann sehr unerwartet gegangen. Habt denn vorher über das Thema Nachfolge schon gesprochen? War das schon geplant?

Melanie Baum: Melanie Baum Die war umgesetzt bereits. Also das lief, man denkt das immer, weil es auch beides tatsächlich im gleichen Jahr stattfand. Ich habe im März 2016 das Unternehmen vollständig übernommen. Zwei Jahre vorher schon operativ in der Geschäftsführungsfunktion und dann am Ende formal noch auf dem Papier übernommen, hieß bei uns auch. Ich habe neu gegründet und meinem Vater das Unternehmen abgekauft, weil wir nicht in der komfortablen Situation waren, dass da irgendwie Erdmasse verteilt werden durfte, sondern mein Vater musste auch seine Schulden noch loswerden mit Austritt aus dem Unternehmen. Dafür brauchte er einen Käufer. Ob ich das gewesen wäre oder auch ein Externer, er ist theoretisch zweitrangig. Wir hatten dann beide einfach das große Glück. Ich bin dann nach dem Studium eingestiegen. Auch das war nicht so geplant ursprünglich alles, aber wir haben so schnell gemerkt, dass das einfach richtig gut passt. Weil mein Vater, das sehe ich auch in ganz vielen anderen Unternehmen im Mittelstand. Oft ist das so, gerade in der Größenordnung zwischen 15 und 70 Mitarbeitende. Da gibt es eine exzellente Fachkraft, einen Gründer. Ja. Der irgendein Fach, ich weiß nicht, jetzt der Bäcker zum Beispiel, der einfach richtig geile Brötchen oder Kuchen, ich glaube, das ist schon ein Konditor, ich will jetzt hier keine Berufsgruppe irgendwie, genau. Dann ist es Konditor. Okay, wir machen es einfach eigentlich neben einem, der Eis herstellt und eine Eisdiele hat. So, der liebt das, der kann das, das ist genau sein Ding, der macht das besser als der Stadt. Die Eisdiele ist irgendwann völlig überfüllt, die Leute müssen da eine halbe Stunde anstehen und schreien danach, dass er vergrößert. Er jetzt die Wahl, entweder die Kunden hat Arbeit nicht mehr oder der vergrößert. Und so läuft das halt. Und dann, wenn man Gutes in dem was man tut, wächst man. Und das ist bei meinem Vater auch passiert. Und irgendwann, ich sag mal mehr oder weniger schwupsdiwups, waren da 50 Mitarbeitende. Und auch eine Produktionsfläche, wo nicht mehr alle Schulter an Schulter standen. Und nicht dieses eine kleine familiäre Team genommen gekriegt hat, was immer so los ist. Und an der Stelle hatte er dann, finde ich wirklich, das große Glück, hätte nicht ich sein müssen, aber eine Person ins Unternehmen zu kriegen. Ich komme ja aus der Geisteswissenschaft, habe auch BWL studiert, aber auch mein Herz kommt aus der Geisteswissenschaft, die sozusagen in diesen ganzen technischen Kontext reinkommt und von außen drauf guckt und Dinge wie Marketing, Personalentwicklung, Strategiearbeit, Vertrieb, das ganze Thema Strukturen im Unternehmen, dieses eigentlich auch viel am Unternehmen arbeiten, alles jetzt ergänzt. Die meisten Mittelständler würden sich so eine Person niemals leisten. Man kommt nicht irgendwann an den Punkt und sagt, jetzt professioniere ich nochmal meine Personalin... Also der Pain muss schon wieder sehr, groß sein und meistens dann zu spät. Und das war halt für meinen Papa eine sehr glückliche Situation und für mich erst recht, weil ich hatte so ein praktisches Spielfeld, wo ich die ganzen Sachen, die ich in meinem Studium wirklich auch aufgesogen habe, weil es mich wirklich interessiert hat und auch in meinen Praktikers und Nebenjobs. Und dann konnte ich das alles so voll einbringen und das war einfach... ein geiles Match. Wir hatten beide geplant. Ich wusste dann irgendwann, ich übernehme auch. Dann standen größere Investitionen an. Die Banken haben gesagt, kann man mal direkt die Tochter jetzt hier machen? Ja, okay. Dann haben wir die Nachfolge. Das war wirklich nur noch ein formaler Akt durchgeführt 2016. Und ich war mir sicher, ich werde meinen Vater irgendwann auf unserem Grundstück beerdigen. Und der wird auch als alter Kreis noch bei uns da rumlaufen. Nicht, weil er nicht loslassen konnte, sondern einfach, weil er das Unternehmen auch so geliebt hat. Ja und wenige Monate nach der Nachfolge hat er die Diagnose bekommen, halt völlig unerwartet, dass da schon Krebs im Endstadium war. Also wohl schon einiges lange Zeit vorher gearbeitet hat. Und genau, wir haben das leider nicht geschafft. Er hat das leider nicht geschafft und ist dann im Oktober, also knapp ein halbes Jahr nachdem ich übernommen hab, verstorben. Und neben all der Trauerzeit dann war ich auch zu dem Zeitpunkt echt einfach eigentlich froh, dass wir die ganze Nachfolge schon hinter uns hatten. Also das kann ich mir gar nicht ausmalen und davon gibt es ja viele, die in die Situation kommen in trauer Zeit, das alles noch zu machen. Ich glaube, man wird sich dann vielleicht auch sehr da rein stürzen. Dass so gesund ist, weiß ich auch nicht, aber ich war damals sehr, froh, dass eigentlich an dem Nachfolgethema schon der dran war. Total. Und auch alles im Unternehmen so aufgebaut war, dass es ohne ihn lief. Also auch das Wissen zwischen seinen beiden Ohren habe ich immer damals gesagt, schon transparent und nachvollziehbar gemacht wurde.

Irene Knaub: Irene Knaub glaube zum Thema Unternehmensnachfolge müssen wir dann nochmal mit dir in gesonderte weil das merke ich ja jetzt auch, das ist ja so ein Thema, wo wir uns ja auch sehr viel mit beschäftigen, was gerade ja total aktuell auch in Deutschland ist und wenn man sich die aktuellen Zahlen anschaut, deswegen glaube da müssen wir echt noch mal eine extra Folge machen, oder Markus?

Melanie Baum: Melanie Baum Auf jeden Fall ein wahnsinniger Bedarf.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück Ich finde es auch so spannend, wie du das gerade auch beschrieben hast. Wir nennen das auch so bisschen das Thema die Seele eines Unternehmens. Es hängt oft diese eine Persönlichkeit ganz zu beginnen. Und sie wird getragen und getragen und dann wächst das Unternehmen. Aber trotzdem ist diese eine Persönlichkeit oft trotzdem die Seele. Und wie kriegt man sowas dann in eine Organisation rein? Wie kriegt man das auch in eine Nachfolge überführt, ohne dass das Unternehmen dann völlig anders wird? Und ich nenne es jetzt mal seelenlos. glaube, ist schon richtig herausfordernd, gerade in Familienunternehmen oder auch wenn es mal vielleicht eine externe Nachfolge

Melanie Baum: Melanie Baum Ja, definitiv. Und wir hatten wirklich großes Glück, dass unsere Seelen gematcht haben. Und auch aus Sicht der Geschäftspartner und Mitarbeitenden war das so sehr smoother Übergang. Weil da war nicht von Schwarz auf einmal alles weiß. Wir waren sehr unterschiedlich und haben auch viele Dinge anders gemacht. Aber gut, das wird die nächste Folge. Jetzt sprechen wir immer müde.

Irene Knaub: Irene Knaub kommen jetzt wieder auf die Müdigkeit. Und wir haben ja in unseren Vorgespräche auch schon darüber gesprochen, dass gerade jetzt aktuell viele Unternehmerinnen und Unternehmer ja sagen, Mensch, wir müssen jetzt gerade so viel verändern wie noch nie. Und eigentlich sind wir zu müde dafür. wie ist dein Umgang mit diesem Widerspruch? Kannst du da was zu sagen?

Melanie Baum: Melanie Baum Ja, ich stolper schon über das Wort Widerspruch. Weil ja, beides und ein Und dazwischen. Wir sind müde und wir dürfen gerade viel verändern.

Irene Knaub: Irene Knaub Wir müssen gerade jetzt und eigentlich sind wir aber müde.

Melanie Baum: Melanie Baum Ja, also vom Grundsatz her, das höre ich auch tatsächlich viel in meinem Umfeld. Vielleicht nicht immer genau das Wording, aber es ist die Botschaft, wie lange geht das noch? Wann kommt endlich wieder der Aufschwung? Und da bin ich ehrlich gesagt recht radikal und entgegne immer, da wird nichts besser. Plan einfach damit. wird gar nichts besser. Plan mit dem Status quo. Und dann muss ich auch sagen, letztlich macht das Unternehmer ja auch aus für mich. dass sie eben diejenigen sind, die sagen, okay, die Rahmenbedingungen haben sich geändert, wie darf ich jetzt meine Organisation mitverändern? Letztlich ist es ein Stück weit Evolution, was mal ganz runterbricht. Dürfen wir uns hier mitverändern, damit wir sozusagen weiterhin, und darum geht es ja beim Markt, den Menschen ein Nutzen bieten? Das ist es ja im Kern runtergebrochen. Und wenn dann da Geschäftsmodelle noch bei sind in diesen Zeiten, die vielleicht schon gar keinen Nutzen mehr bieten, oder ihren Nutzen, den sie bieten, nicht kommunizieren, nicht transportieren können? an die potenziellen Menschen, dann sind die halt einfach nicht mehr marktfähig. Das ist recht einfach. Da kann man sich dann noch so beschweren über Russland und Energiepreise und Bürokratie. Ich glaube, sehr, sehr vielen Stellen, davon muss man aktuell einfach auch aufs Geschäftsmodell gucken. Es ist dann mir auch ein bisschen zu einfach, sich immer nur da drin zu verlieren, dass rechts und links alles so schwer geworden ist. Ja, ist es, möchte ich nicht absprechen, aber das macht uns Unternehmenden ja letztlich aus. Und dann gleichzeitig aber auch dieses dazwischen Müde sein, ja auch klar, okay, darfst du. Ist auch okay, das auszusprechen. Und dann ist es eben trotzdem am Ende, trennt sich da wieder die Streu vom Weizen, weil einfach dadurch dann sich auch zeigt. Ich habe zu einer befreundeten Unternehmerin vor kurzem noch gesagt, die auch ein bisschen gestruggelt hat mit ihrem Unternehmer, ich habe eine Sache darfst dir merken, Insolvenzen passieren fast nie, weil es keine Möglichkeiten mehr gab. Sie passieren fast immer, weil der Mensch sagt, ich kann nicht mehr. Auch das oft verständlicherweise, und das ist okay, ich möchte das wirklich gar nicht verurteilen. Das muss man sich einfach bewusst machen. Und dann vielleicht, wenn man selber in der Situation steckt, ich hatte das auch schon, bin durch den Wald gelaufen mit meinem Hund und hab gedacht, wann falle ich denn jetzt endlich mal Ich möchte jetzt einfach mal so ein paar Wochen irgendwie Krankenhausbehandlung, so dass keiner am besten koma. Damit keiner irgendwas von mir will, die Situation, würde ich auch mal vor einigen Jahren, ne? Und wir kommen alle irgendwie immer wieder an, ich sag mal, so Tiefpunkte. Dann komme ich aber auch wieder zurück auf den Buddha und meine, was ist dein Warum? Hol dir ins Bewusstsein, wovon machst du das eigentlich? Krieg nochmal aus deinem Kopf oder deinem ganzen System mal raus, was dich gerade eigentlich alles so erschlägt und setzt Prioritäten, guck da nochmal ein bisschen von außen drauf. Ganz wichtiges Ding auch, lass dich beraten, geh da nicht alleine durch, muss auch nicht der klassische Unternehmensberater sein, aber nutze Netzwerke, nutze Unternehmerkollegen, nutzt die Familie, den Partner, den Psychologen, den Coach, was auch immer. Geschäftspartner, die auch oft im gleichen Boot sitzen, also in den Austausch zu gehen, das ist immer wieder dieses, Gott, ja, ich bin nicht alleine. Ich bin nicht die Einzige, ihr so versagt oder der Einzige, der es nicht hinkriegt. Das tut uns Menschen schon mal per se ganz gut. Und dann auch dieses, ich muss das nicht alles alleine schaffen. Für mich ist immer wichtig, ich muss halt wissen, was ich auch selber nicht gut kann oder vielleicht gar nicht möchte, wo es ein Muss wird. Und dann ist halt meine Verantwortung, das zu organisieren. Sonst kein Unternehmer.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück Das, was du gerade alles gesagt hast, finde ich ganz spannend, weil es einfach auch aus der Perspektive einer Unternehmerin kommt, die gerade genau in diesen Situationen ist. Weil man ja sonst auch von unserer Seite, jetzt haben wir selbst ein Unternehmen, aber das blendet man ja gerne aus, wenn man selbst Markenberater ist, dann kommt immer, ja, ihr Berater, aber ja, wir haben auch ein Unternehmen und wir struggle auch und wir haben auch genau diese Situationen genauso, aber gehen in andere Unternehmen rein oder sprechen auch mit denen oder auch. Schreibe bei LinkedIn irgendetwas. Aber genau über diese Themen, die du gerade gesprochen hast. Sorry, es liegt fast nie nur an den Außenwirkungen, sondern es liegt immer auch intern und vor allem am Geschäftsmodell und an Themen, dass vielleicht 20 Jahre die Strukturen nicht verändert worden sind, etc. Man nicht aktiv am Markt arbeitet. Vielleicht auch die Führung, und da kommen wir gleich zu, nicht so organisiert hat und da fehlt oft Kommunikation. Wie nehme ich die Leute mit? Wie nehme ich die Unsicherheit aus dem Unternehmen? Und das ist genauso mein nächster Punkt. Das Thema, da hattest du ganz zu Beginn schon mal bisschen was zugesagt. Die Führungsaufgabe. Was ist das eigentlich gerade? Ist es das Sicherheit geben, Orientierung geben? Ist es diese Veränderung auch bei den Mitarbeitenden einzufordern? Wie siehst du das?

Melanie Baum: Melanie Baum Also ich würde erst mal sagen, die Veränderung überhaupt so begleiten, dass sie möglich wird. Und dazu gehört jetzt wieder viel, weil ja, in der Regel sorgen Veränderungen für noch mehr Unsicherheit. Und dann gucken wir mal bei uns, was sind so die wesentlichen Dinge, wie wir eigentlich Sicherheit geben können, so aus dem Unternehmen heraus. Und das eine ist erstmal Struktur, was auch wirklich oft unterschätzt wird. Also es kommt eine Veränderung, wir mal KI, dazu gehört ganz viel vorher an Prozessveränderung, an Datensammlung, an Schnittstellen bauen. ganz, ganz viel Hausaufgaben sozusagen, die ich vorher tun darf, bevor ich als der visionäre Chef mich vor die Belegschaft stelle und sage, ab nächster Woche habt ihr alle die Software, dass ihr nur noch halb so viel anstrengende Arbeit habt am Tag. Viele Leitungskräfte sind sehr stark da drin, das Ziel, die Vision, die Innovation zu sehen. Und es ist eben ein sehr, sehr langer und auch teilweise steiniger Weg, die Menschen, die das dann anwenden sollen, neueste Technologie auch wirklich mitzunehmen. Und ja, da fängt es einfach schon mal an, sich dem überhaupt bewusst zu sein, Strukturen schaffen. Und dann, was auch Sicherheit gibt den Mitarbeitenden, ist meine Erfahrung, Wissen vermitteln. Gib ihnen Wissen, gib ihnen Qualifizierung, Schulung und darüber baue ich auch schon ganz viel ab an Vorurteile und auch an Angst. Vielleicht wegen der Unkenntnis nicht richtig die Dinge dann nutzen und bedienen zu können. Also Struktur und Qualifizierung ist in den allermeisten Fällen, ich würde fast sagen 98 Prozent bei uns, die Lösung. Wenn es irgendwie hackt, es hackt, muss man auch mitkriegen. Das heißt, nah dran sein, das auch durch die Strukturen wiederum so schaffen, dass die Führungskräfte eben genau wissen, was in ihren Teams auch so los ist und wo der Schuh drückt. Und dann auch recht individuell ist es auch am Ende, weil der eine hat Probleme mit dem papierlosen Büro und der nächste hat Probleme, keine Ahnung, mit dem neuen Programm in der Maschine. Das ist sehr unterschiedlich auch. da recht individuell auch dann dran zu sein und immer wieder zu gucken, okay, was ist für dich jetzt gerade das Wichtige? Brauchst du nochmal irgendwie eine Nachjustierung im Prozess? der Struktur passt dir irgendwas noch nicht? Oder ist es noch ein bisschen Wissen-Weiterbildung? Ganz wenige, das ist dann Haltung. Das ist wirklich, würde ich sagen, so, wenn überhaupt bei uns 2%. Wo man dann wirklich so gegen so eine Wand fährt. Weil da einfach jemand so sagt, ich will nicht. Na egal, ich will auch nicht drüber reden. Ich will auch kein Wissen und die neue Struktur interessiert mich auch nicht. Und da muss ich auch sagen, hatte ich auch schon die Situation, habe ich mich dann auch vor meinen Mitarbeitern hingestellt und gesagt, das akzeptiere ich erstmal, habe hier auch gar keine andere Wahl, das dein Recht, das ist alles nicht gut und nicht toll zu finden, aber das wird dann hier nicht mehr langfristig gut gehen. Weil wir gehen in diese Veränderung und ich habe das lange erklärt, warum das auch wichtig für uns ist und ich habe das entschieden. Ich sage immer zu meinen Mitarbeitern, macht mir auch gerne bessere Vorschläge. Das sind so Dinge, die wir uns so erarbeiten, dann losgehen und da bin ich immer auf dem Führer, wenn euch der Weg nicht passt, kein Problem, ich brauche aber den Alternativen. Und ja, so haben sich eben auch schon Arbeitsverhältnisse getrennt und das würde ich auch immer wieder so weitermachen, weil eben dieses Thema Lernen wollen für mich elementar ist, überhaupt bei uns arbeiten zu können, weil wir eben in diesen großen Veränderungen gerade nochmal in der Industrie auch stecken. Es ist wirklich krass, nicht nur technologisch, was sich da die ganze Zeit verändert, sondern auch wirklich so die Rahmenbedingungen insgesamt. Wir wissen ja gar nicht, wo steht Industrie in 10, 15 Jahren. Das ist ein sehr spannendes Feld gerade. wirklich hoch von Veränderung betroffen ist.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück weil du es explizit eigentlich gerade immer gesagt hast, das Thema Kommunikation, sich vor die Leute zu stellen, denen das zu sagen, mitzunehmen, denen über die Veränderung zu sprechen, das ist nämlich das, was uns auch viel auffällt, dass das doch nicht immer so gut funktioniert, das Thema der Kommunikation, sich vor die Leute zu stellen, die Vision zu sagen, aber auch im Alltag immer wieder in die Kommunikation mit den Menschen zu gehen. Ihnen zu erklären, warum machen wir das jetzt eigentlich. Und ein ganz wichtiger Punkt, oftmals das Thema Entscheidungen auch zu erklären an bestimmten Stellen. Nicht immer, nicht immer alle. Und wenn man auch mal was nicht entschieden hat, das ist nämlich sehr, häufiger Punkt. Nicht Entscheidungen werden oft gar nicht kommuniziert. Und dann entsteht dadurch eine Unsicherheit. Wie gehen wir jetzt weiter vor? Es wird nicht entschieden und es wird aber auch nicht kommuniziert. Und eigentlich ist ja das Nicht-Entscheiden auch eine Entscheidung. Sie müsste nun mal kommuniziert werden.

Melanie Baum: Melanie Baum Und all das, was du gerade beschreibst, bringt ja am Ende Klarheit. Deswegen ist es so wichtig. Und diese Klarheit ist halt das, was uns gerade allen sehr, sehr gut tut in Zeiten dieser Unsicherheit und Veränderung. Deswegen dürsten wir da so nach oder anders ausgedrückt sind da, glaube ich, auch sehr sensibel. Ja. Sehr empfindlich. Empfindlicher vielleicht, als wir das vor zehn Jahren noch gewesen wären. Und da weiß ich auch immer wieder intern bei uns darauf hin und auch gerne noch mal an der Stelle, das ist keine Einbahnstraße Kommunikation. Also auch das ist für mich ein kompletter Trugschluss und das hat auch was mit Unternehmenskultur zu tun, dass irgendwie immer die Führungskräfte das alles wissen und richtig sagen und richtig transportieren müssen dürfen. Es ist schon ganz, ganz wichtig, den Mitarbeitenden da auch ein Stück Verantwortung zu geben und auch immer wieder klar zu machen, hier hast du auch eine gewisse Holt oder Bringschuld bei diesem Thema. Und super Punkt, du ansprichst, möchte ich gerne eine Sache zu sagen, sich dahinstellen, zu sagen, was ist das, warum, wo lang geht die Reise, wie ist unsere Strategie, ist das ein und für mich wirklich immer noch der leichte Part. findet meinetwegen oft auch nicht statt, leider, das darf eigentlich gar nicht sein, aber das sehe ich auch nicht als größtes Problem. Das Problem ist das, was wir dann einmal festgelegt und kommuniziert haben zu, und jetzt kommt ein ganz böses Wort, kontrollieren. Als Führungskraft und auch als Teil der Führungsarbeit im Nachgang die Veränderung zu kontrollieren. Und zwar nicht so böse gemeint, wie das Wort oft interpretiert wird. Aber wirklich in der Umsetzung im realen Praxis geschehen, dran zu sein, präsent zu sein, da zu kommunizieren. Wieso gelingt es dir noch nicht? Du hast das warum verstanden, du weißt, das wichtig ist, woran liegt es? Und dann sag ich, komm ich oft, wenn ich das dann mache, also wirklich, oder nicht nur ich, meine Führungskräfte, dann kommst du oft wieder auf einig gehts und fehlendes Wissen oder irgendwie, wie irgendwie die Struktur stimmt noch nicht. Es ist eigentlich dann immer recht banal und selten wieder dieses, da hat einer ein Haltungsproblem. Das finde ich dieser Teil, also die besprochene, vorgenommene, geplante Veränderung auf die Straße zu bringen. Das braucht richtig Kommunikationskompetenz, weil dann werden die Menschen erst komisch. Vorher ist das noch recht leicht.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück Ja, aber der Klassiker ist was so, weil du es gerade gesagt hast, Haltungsthema mit Jammer, alle eigentlich keinen Bock. Jammerle keine Lust. Das ist ja so das Einfachste, was man dann ja auch sagen kann. Die wollen ja gar nicht mitgenommen werden.

Melanie Baum: Melanie Baum Wenn mir so was jemand sagt, dann sag ich immer sofort, der Fisch stinkt vom Kopf. Also mag ja sein. Klar gibt's Menschen, die grundsätzlich keine Lust haben, aber ich entscheide ja, wer in diesem Unternehmen mit mir arbeitet und sich wohlfühlt.

Irene Knaub: Irene Knaub Aber hast du dir in diesem Prozess Hilfe von außerhalb geholt? Welche Menschen braucht es da?

Melanie Baum: Melanie Baum Durchgängig. Unterschiedliche. Also ich hatte alles. Von damals, als ich eingestiegen bin überhaupt ins Unternehmen, da war ich halt Mitte 20. In dieser Männerbranche, da sollte irgendwie die zukünftige Chefin mal werden. Da waren schon so paar Schubler, an denen ich so reingesteckt wurde. Da hat halt mir das total gut einen Coach zu haben, der einfach mich immer wieder darauf hingewiesen hat. Zeig den Nutzen, sei so wie du bist. Also einfach so bisschen dieses Persönliche begleiten und coachen. Dann auch, als es ins Eingemachte ging mit meinem Vater, also im Nachfolgeprozess. Nicht nur Steuerlich, juristisch, vor allen Dingen auch Vertragswerk, sondern auch wirklich nochmal dann dieses zwischenmenschliche Thema Rollen definieren und wo gehen wir Verantwortung ab, wo bleibt Verantwortung, all diese Themen, die auch gerne mal für Hitze sorgen in der Nachfolge. Gut. Genau da haben wir uns begleiten lassen, auch sogar von zwei Menschen. Der eine war reiner Unternehmensberater, der sehr wirtschaftlich drauf geguckt hat und der andere war ein Psychologe, der mit Familienaufstellung und Rollen und sowas alles gearbeitet hat. Das war auch beides wichtig. Und dann auch danach fortwährend. Also ich habe durchgängig externe Beratung und da ist alles dabei. Von Coaching über Psychologe über wirklich einen, der mich bei Finanzen immer wieder unterstützt, der andere, der mich bei Strategie, Prozessen, fertigungslastiger eher unterstützt. Einen, der eher im Bereich Human Resources, was können wir noch hier für die Menschen tun. Also unterschiedlich. auch für mich persönlich Coaching. Völlig losgelöst von meinem Unternehmen. Auch das ist super wichtig und es kostet natürlich auch was. Aber dieses Invest ist für mich, das würde ich nie in Frage stellen. Das ist so dieses Grundrauschen, was ich persönlich brauche, weil ich eben alleine in der Geschäftsführung bin und alleine sozusagen auf dem Elfenbeinturm sitze, dann erst recht. Das ist super, super wichtig, immer wieder diesen Spiegel von außen, eigentlich den Spiegel vorhalten. den Finger in die Wunde legen, das was jetzt meine blinden Flecken noch sind. Für solche Themen hätte ich gerne Coaching oder nutze ich Coaching. so meine Sorgen loszuwerden, ehrlicherweise, da kann ich auch meine Freunde oder privaten Kontakte, also dafür brauche ich das jetzt nicht unbedingt, das würde ich auch nicht so empfehlen, das zu teuer.

Irene Knaub: Irene Knaub Ja klar, aber das macht dich ja trotzdem resilient. Also gerade wenn es Krisen geht. Ich habe oft das Gefühl, wenn ich auch mit anderen, auch Unternehmern schon mal spreche, dann ist das oft schon mal das Aussitzen eine Option sein könnte. Ich sitze das aus.

Melanie Baum: Melanie Baum im Topf und dann war das Wasser zu heiß. Genau, genau.

Irene Knaub: Irene Knaub Hattest du ja auch in unserem Vorgespräch auch mal einen Satz gesagt, der ist auch hängen geblieben, aussitzen ist einfach keine Option. Und das ist ja aber glaube ich für viele schon mit der einfache Weg.

Melanie Baum: Melanie Baum Ja, auch da wieder, glaube ich, jetzt Neurowissenschaftler große Erklärungen zu finden, warum das so ist und warum die Frösche noch lange im Topf sitzen geblieben sind, solange eben auch andere da noch saßen. Und das wiederum, es ist ja eigentlich Evolution, das finde ich so spannend. Wann kommt der Punkt, wo der Schmerz so groß ist, dass ich mich jetzt verändere? Weil die Veränderung selbst, nochmal der Markt, das machen die Menschen, was wir hier so brauchen und tun. Und da ist eigentlich nur spannend, wann erkenne ich das an? was gebraucht wird und wann bin ich bereit, mich und mein Unternehmen oder mein Geschäftsmodell entsprechend auch mitzuentwickeln. Am Ende ist es ja eben nicht der stärkste oder schnellste, sondern der anpassungsfähigste, überleben wird und ich finde, das zeigt sich genau da drin.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück Der gute David, der lange Zeit fehleinterpretiert wurde mit dem stärksten, sondern es ist der adaptivste und der anpassungsfähigste. Du hast es eben gesagt, dass es mit dem Aussitzen keine Option dann ist es ja aber auch aus meiner Perspektive, was ich aus meiner Erfahrung weiß, dass viele Unternehmen, natürlich ist lange Zeit der Kochtopf, wenn ich das Bild mal wieder nehme, gar nicht so heiß geworden, sondern er ist so lauwar ein bisschen heißer geworden, aber ich konnte noch drin sitzen bleiben und dann war die Krise wieder vorbei und dann ist das Wasser wieder kalt geworden. Und heute wird der Kochtopf aber immer heißer. Und wie geht man damit Warum funktioniert auch aus deiner Perspektive dieses Prinzip nicht mehr darauf zu hoffen, dass der Kochtopf nicht mehr so heiß

Melanie Baum: Melanie Baum Also davon wäre ich schon damals, zu keinem Zeitpunkt wäre ich davon Anhänger gewesen. Da kann ich nur sagen, habe da Glück gehabt. Weil das ist grundsätzlich für mich das komplette Stillstand, ist gar keine Option, weil auch da wieder bei dieser großen Warum-Frage, wir sind meiner Meinung nach hier in diesem Leben, uns zu entwickeln und zu lernen und egal welche Schulen wir uns, Lebensschulen wir uns da suchen, der eine mehr privat, der andere im Ehrenamt, der nächste in den Hobbies, im Sport, der andere eben beruflich. Eigentlich geht es doch im Kern immer nur darum, sich weiterzuentwickeln. wir brauchen oft das Wasser, das warme Wasser, teilweise das heiße Wasser, vielleicht das schmerzhinde Wasser, wirklich dann den Step wieder zu gehen. ist das, was wir am Anfang hatten. Irgendwie muss ein Pain schon da sein. Ja, nur den Zeitpunkt sollte man eben auch nicht verpassen. Und deswegen wäre ich eine, die eher auch schon vor vielen Jahren gesagt hätte, beweg dich mal lieber. Da kommt keiner und sagt dir in zehn Minuten, bis hier Ende, ne? Das darfst du dann selber. Wissen und im Blick haben,

Irene Knaub: Irene Knaub Also ich hätte noch ganz viele weitere Fragen, die ich so gerne mit dir besprechen würde. vielleicht nochmal, bevor wir zum Abschluss kommen, wir haben zum Abschluss immer noch ein paar Fragen dazu. Würde mich aber interessieren, so sind wir ja auch zusammengekommen, das Thema Sichtbarkeit und Marke. Ich glaube, das hat auch schon was gerade mit Krisenzeiten, Veränderungen etc. viel damit zu tun und wir sind ja auch über LinkedIn bei dir gestolpert, über dein Profil. Kannst du da ganz konkret so ein, zwei Beispiele nennen, warum machst du das? So als technisches, typisches, mittelständisches Unternehmen braucht es doch gar nicht, weil das interessiert sich ja keiner für. Also was wir öfter schon mal hören. Kannst du da mal was zu sagen? Sichtbarkeit und welche Erfolge du damit generiert?

Melanie Baum: Melanie Baum Erstmal würde ich gerne eine Erfahrung teilen. war letzte Woche auf der AMB in Stuttgart, einer der größten Messen unserer Branchen. Und ich fand das bezeichnend. Ich hatte mit vielen Geschäftsführer von Unternehmen dort Austausch. Und ich fand das bezeichnend, wie sie alle dieses Thema beschäftigt hatten. Und da muss man jetzt auch mal wirklich sehen, zumindest ist das in meinem Umfeld noch so, dass sehr, sehr viele der immer noch leitenden Geschäftsführerinhaber eher 50, 55 plus sind. Also die Youngstars, danach kommen, die kann ich mehr an einer Hand abzählen als eben die Alteingesessenen sozusagen. Und die haben alle so bisschen gesprochen in die Richtung von Melanie, muss ich das jetzt noch? Komm ich da noch so durch, weil ich will nicht? Und ich konnte das auch so fühlen, weil selbst ich als deutlich jüngerer Mensch, hab als ich da vor zwei Jahren so mit gestartet bin, ich hab damals zu meiner Agentur gesagt, also ihr könnt machen, was ihr wollt, aber ich mein Gesicht dafür nicht hinhalten. So bin ich gestartet. Für mich war Sichtbarkeit wirklich ein großes Thema. Ich glaube, es ist uns Menschen mehr, als darüber gesprochen wird und als zugegeben wird oft. Warum war das bei mir so? Zum einen hatte ich dieses, Gott, wenn ich jetzt über meine ganze Leistung spreche, dann werde ich danach voll dran gemessen. Da war im ersten Moment so ein, will ich das? Weil das ist mir ganz wichtig. Aufrichtigkeit habe ich auch zu meinen Jungs im Leitungsteam gesagt, ich halte da jetzt mein Gesicht für. Ihr wisst was das bedeutet und das ist ja auch gut so und eigentlich geil. Aber im ersten Moment hatte ich auch so ein, Gott, was bedeutet das eigentlich alles? Dann hatte ich auch einen kleinen Anteil, der ist zum Glück auch schnell gegangen, das beschäftigt aber viele, wie gehe ich mit Kritik Also mit all dem Schlechten, was an Feedback dann kommt. Da bin ich zum Glück selbstbewusst genug, das ist mir recht schnell am Allerwertesten vorbeigegangen, deswegen war da ein Haken dran.

Irene Knaub: Irene Knaub Kritik bekommen?

Melanie Baum: Melanie Baum Also ich sag mal, wenn man zum Beispiel so ein Format macht wie Miowska. Da landet die Kritik auch nicht auf LinkedIn, wo nochmal eine andere Zielgruppe ist, aber Facebook und Instagram habe ich mir nicht durchgelesen. Will man auch nicht. Das ist immer. ist, wenn man da eine gewisse Masse erreicht, natürlich ist das dabei. Ich glaube, das ist wichtig, sich da auch so eine gewisse Standhaftigkeit anzueignen. Und das wiederum war auch bei mir letztlich dann der Antrieb und das würde ich allen anderen auch so raten, weil auf die Frage, auch auf der Messe, alle, die mich gefragt haben, gesagt, ja, musst du. Musst du. Weil dieses... vor zehn Jahren irgendwie nach Postleitzahlen durch Deutschland fahren und zu gucken, wollt mal vorstellen, hier ist unser Prospekt. Also ich hab das nie gemerkt, mein Vertriebsaußendienstmitarbeiter. Ja, das ist auch noch wichtig. Ich will gar nicht sagen, dass das Digitale den analogen Vertriebsweg und die Kundenbeziehung und so ersetzt. Gar nicht. Aber wenn wir nochmal bei dem Marktplatz starten, was gibt es überhaupt, sind die sozialen Medien einfach, finde ich, Teil des kleinen Ein-meins. Sich als Unternehmen auch sichtbar zu machen erst mal. Und wir Menschen kaufen von Menschen. Deshalb sind wir dann ganz schnell beim Personal Branding und beschäftigen uns damit, welches Gesicht will denn da in die Kamera gehalten werden. Und ich habe damals für mich einfach überlegt, okay, was sind denn so die Themen, wo ich wirklich Erfahrungen gesammelt habe, die 100 % Melanie sind, nicht irgendwas Konstruiertes, nicht irgendwas auswendig gelernt, ist nicht irgendein Trend, der gerade rumgeht. Und so kann ich damit auch sehr gut arbeiten, muss ich sagen, weil es wirklich so richtig einfach auch aus meinem Herzen kommt und meine Themen sind, die mich interessieren. Und dann wurde die Aufgabe für mich nicht mehr so, muss ich machen. Siehst du, da bin ich selber voll durch die Veränderung durch. Und tatsächlich hat das auch meine Coaching, war der Pain. Also das hat auch externe Beratung, die hat mir dann mal in meinen Kopf gewaschen, als ich dir auch ganz stolz erklärt hab, dass die Agentur das jetzt alles macht dabei, nicht mit meinem Gesicht. Also ich hab auch zu mir gesagt, was ist eigentlich mit dir los? Es gibt Zersparn und Meyer, Zersparn und Müller, Zersparn und Schmidt. Die haben alle keine Frau in der Führung, bitte. Zeig dich, das ist wichtig aus vielerlei Hinsicht. Deswegen Nachfolge interessiert mich, Führung interessiert mich, Frauen in MINT interessiert mich. Dazu holen auch eine Folge. Das sind alles so Themen, die ich gerne da so ein bisschen unterstütze.

Irene Knaub: Irene Knaub Das auch wichtig.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück Aber was ich daran einen ganz wichtigen Punkt finde, ist das Thema Vertrauen. Weil du eben gesagt hast, kaufen von Menschen. Und heutzutage ist es halt nicht mehr so, dass ich irgendwo im Telefon buche oder auf einer Website gucke und einfach irgendwo anrufe und mir dann dieses Vertrauen im ersten Gespräch am Telefon vom Vertriebsingenieur oder wie auch immer hole, sondern ich fange erstmal an zu recherchieren über das Unternehmen und wenn ich vorher schon von den Menschen, die in dem Unternehmen arbeiten, etwas gesehen habe, ist der erste Vertrauensvorsprung und Vorschuss auch schon da, bevor ich dann wirklich mal in einen geschäftlichen Kontakt komme. Das kann ja teilweise drei, vier, fünf Jahre sein, dass ich irgendjemandem folge und dann kommt es, ach krass, ja dann melde ich mich bei der Person, weil die mir auch in Kopf kommt, weil ich irgendwie schon eine Vertrautheit aufgebaut habe. Ich glaube, das ist einer der wesentlichen Faktoren dafür. Und das war ja von früher schon so.

Melanie Baum: Melanie Baum Ja, wir haben so viel Traffic mittlerweile überlegt, Konkret, Geschäftsgebaren. Ich muss mir jetzt überlegen, wie ich das organisiere, den Posteingang, weil ich da so privat gar nicht mehr so richtig hinterherkomme.

Markus Lievenbrück: Markus Lievenbrück stelle dir mal vor, eine Geschäftsführerin, ein Geschäftsführer, hört uns heute gerade zu und steht selber vor dem Punkt, so wie bisher geht es nicht weiter, aber ich habe echt keine Ahnung, wie ich es jetzt angehen soll. Ich will, aber ich weiß nicht wie. Was würdest du der Person jetzt mitgeben, die ersten drei Schritte, wieder handlungsfähig zu werden?

Melanie Baum: Melanie Baum Formen wie das Was klären, warum, worum geht's, was ist dein Was, was sind die Ziele, so zu sagen. Extern begleiten lassen, gerade wenn man fest steckt, finde ich das besonders wertvoll, Impulse von außen zu kriegen. Ja und dann auch das dritte, das ist so ein Spruch, den sage ich immer sehr gerne, privat wie im Unternehmen, der rundet das vielleicht gut ab. Ich mal, wenn dir die Scheiße bis zum Hals steht, lass den Kopf nicht hängen, das schmeckt nicht. Ich glaube, nicht aufgeben. ganz richtig.

Irene Knaub: Irene Knaub Da hört man doch das was mit Hogen.

Melanie Baum: Melanie Baum Ja, habe ich mal genutzt hier zur Verbreitung.

Irene Knaub: Irene Knaub Ich glaube, das ist eigentlich der perfekte Abschluss für unsere Folge. Oder Markus, ich würde sagen, wir lassen das unbedingt so stehen. Und damit würde ich gerne jetzt unseren Podcast auch abschließen. Und Melanie, herzlichen Dank, das war wirklich sehr eindrucksvoll. Du warst sehr persönlich, sehr authentisch und hast so, ja, viel auch emotional die Dinge rübergebracht, dass es hat mir unfassbar viel Freude bereitet. Und ich bin wirklich sicher, dass das auch bei unseren Zuhörern auch hängen geblieben ist. Also vielen, vielen Dank für deine Offenheit und dein Vertrauen. ja, ich bin mir sicher, das war nicht unsere letzte Folge, weil ich habe hier noch so viele Fragen den Kopf, ich so gerne heute gestellt hätte, aber wir haben leider eine begrenzte Zeit und Markus redet ja auch immer so viel. Insofern müssen wir unbedingt noch mal mindestens eine Folge mit dir gemeinsam machen. Vielen Dank, dass du heute bei uns warst.

Melanie Baum: Melanie Baum Danke euch, hat sich angefühlt wie 10 Minuten. Gerne. sehr schön, danke.

Irene Knaub: Irene Knaub Das war der Kraftraum Mittelstand und wenn euch diese Folge gefallen hat, dann sitzt es nicht aus, abonniert ihn, teilt ihn gern mit Unternehmerinnen, Unternehmern, euren Mitarbeitenden und dem Umfeld und schreibt gerne auch mal euer Feedback. Vielen Dank und bis bald. Ciao, ciao.

Melanie Baum: Melanie Baum Ciao! Ciao!

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